tempi d’oro” — unsere neue CD!

Wach­macher (Gitarre Aktuell, Jan­uar 2012)

Endlich ist sie da, die Neue von Gru­ber & Mak­lar. Unter dem Titel „tempi d´oro“ spie­len sie Werke aus den gold­e­nen Zeiten der Gitarre, oder was wir all­ge­mein dafür hal­ten. So ist das früh­este Werk dieser CD von William Byrd, der von ca. 1540 bis 1623 lebte. Das Duo wid­met sich diesen drei kleinen Stücken mit einer Leichtigkeit, dass man hofft, sie mögen nicht zu Ende gehen. Auch wenn es im eigentlichen Sinne keine Gitar­ren­lit­er­atur ist, ist die Bear­beitung und Inter­pre­ta­tion des Duos herz­er­we­ichend schön. Ich kön­nte eine ganze CD ertra­gen.In der zeitlichen Abfolge schließen sich vier Sonaten von Scar­latti an. Auch hier sind Bear­beitung und Inter­pre­ta­tion sehr gelun­gen. Das Spiel mit den Klang­far­ben ist tre­ff­sicher, nie wird diese Musik über­laden und behält dadurch ihren Charme. Natür­lich darf auch ein Werk von J.S. Bach nicht fehlen. Hier greifen die Zwei aber nicht auf wei­thin bekan­ntes Mate­r­ial zurück, son­dern wid­men sich einer Choral­be­gleitung, die ein beein­druck­endes Gegen­stück zur Vir­tu­osität der Scarlatti-Sonaten darstellt. Die Ruhe dieses Stückes wird noch dadurch unter­stützt, dass für die 2.Gitarre eine Quint­bass­gi­tarre benutzt wurde, die im Beson­deren den Bass deut­licher zur Gel­tung bringt und dadurch noch ein­mal mehr die Ruhe dieses Stückes unterstreicht.

Als klas­sis­che Vertreter nehmen Gru­ber & Mak­lar Giu­liani und J. K. Mertz auf. Von Mauro Giu­liani erklin­gen die „Vari­azioni con­cer­tanti“ op.130. Bei diesem Werk zeigt sich deut­lich, wie gut dieses Duo aufeinan­der abges­timmt ist und dass sie ganz offen­sichtlich viel Spaß am Spie­len dieser Lit­er­atur haben, denn die Spiel­freude ist nicht zu über­hören. Bei den drei kleinen Stücken von Mertz erset­zen sie eine Primgi­tarre durch eine Terzgi­tarre, was der CD eine weit­ere Klang­farbe hinzufügt und den Habi­tus dieser Stücke angenehm unter­stre­icht. Trotz der größeren Bril­lanz schafft es das Duo, diesen Stücken eine große Wärme und Tiefe zu verleihen.

Sehr über­raschend taucht auf der CD die „Arabeske Nr. 1“ von Claude Debussy auf. Auch hier beweisen Gru­ber & Mak­lar großes Geschick sowohl in der Bear­beitung als auch in der Inter­pre­ta­tion. Es kann nur einen Grund für dieses Stück auf der CD geben, es klingt so gitar­ris­tisch, dass es kaum zu glauben ist, dass es nicht für Gitarre geschrieben wurde. Auch hier benutzen sie eine Quint­bass­gi­tarre, um den Klang auszuweiten und dem Stück an jeder Stelle gerecht zu werden.

Ein weit­eres High­light sind das Prélude und die Fuge in E-Dur aus „Les Gui­tar­res bien Tem­pérées“ op.199. Der CD Opener zeigt gle­ich am Anfang, dass hier auf höch­stem Niveau musiziert wird. Dieser Ein­stieg ist so ful­mi­nant, dass es danach für den Zuhörer kein Zurück mehr gibt.

Zum Abschluss ent­führt das Duo seine Hörer in die Welt von Egberto Gis­monti, und es trifft mit seiner Inter­pre­ta­tion mit­ten ins Herz.

Die CD ist für mich ein großes Erleb­nis, schade dass ich noch arbeiten und schlafen muss, ich würde sie sonst min­destens eine Woche rund um die Uhr hören!

von Hol­ger Reuning